|
|
|
 |
|
             |
|
|
Der tropische Regenwald in Ecuador |
 |
|
| Die Lage Ecuadors direkt am Äquator ermöglicht das Regenwaldwachstum in weiten Landesteilen. Tropische Regenwälder können sich nur in der Tropenzone beiderseits des Äquators bis hin zu den Wendekreisen entwickeln. Die |
 |
|
nötigen Rahmenbedingungen setzt das vorherrschende Klima. Wenn die jährliche Regenmenge wenigstens 1500 - 2000 mm erreicht, eine mittlere Jahrestemperatur von 27º C erreicht wird, die Luftfeuchtigkeit ganzjährig bei 95 - 100 % liegt und keine Trockenzeit von mehreren Monaten auftritt entwickeln sich tropische Tieflandregenwälder. |
|
|
Tropische Tieflandregenwälder zeichnen sich besonders durch den charakteristischen Stockwerkbau aus. Sehr hohe Bäume, sogenannte Emergenten (z.B. der Kapokbaum; Ceiba pentandra, Bombacaceae) erreichen eine Höhe von bis zu 60 m und überragen, einzeln stehend, alle anderen Bäume. Der darunter liegende Wald ist meist in drei weitere Höhenschichten einzuteilen. Der Waldgrund ist meistens nur spärlich mit einer Krautschicht bewachsen, da nur noch wenig Licht, diese tiefsten Zonen erreicht. Epiphyten, Hemiepiphyten und Lianen sind häufig und kämpfen im Kronendach mit ihren Wirtsbäumen um die Ressourcen Licht, Wasser und Nährstoffe. Häufige Vertreter der Hemi-Epiphyten sind die Würgefeigen (Ficus sp. und Coussapoa sp.), die als Epiphyten auf grossen Bäumen keimen, später Wurzeln in den Boden schicken und ihren Wirtsbaum nach und nach umschlingen und verdrängen. Vertreter der Melastomataceae sind in den unteren Stockwerken als krautartige Pflanzen, Büsche oder kleine Bäume sehr häufig. An ihrer charakteristischen Blattnervatur sind sie sehr einfach zu erkennen. (Infos über Regenwald-Ökologie gibts im "Lehrpfadsführer"_1,5 MB) |
|
|
|
|
|
 |
|
 |
|
|
Blick auf einen Tieflandregenwald |
|
Sonnenuntergang über einem Tieflandregenwald |
|
|
|
|
|
|
|
Tapire (Tapirus terrestris), Agutís (Dasyprocta punctata) verschiedenste Fledermausarten und Raubkatzen, wie der Jaguar (Pantera onca) oder das Ozelot (Leopardus pardalis) gehören zu den bekanntesten Vertretern unter den Säugetieren.
Ein wesentlicher Unterschied zu den aussertropischen Wäldern, ist die ausserordentlich hohe Artenvielfalt, welche die tropischen Tieflandregenwälder auszeichnet. Eine besonders hohe Biodiversität konnte im Übergang der Tieflandwälder zu den südamerikanischen Anden festgestellt werden. |
|
|
Hier trifft die Vegetationsform des ohnehin schon artenreichen Tieflandregenwaldes auf die Vegetationsform Bergregenwald. Endemismen beider Ökosysteme kommen parallel zueinander vor und tragen zu einer unvorstellbaren Artenvielfalt besonders der Pflanzen und der Insekten bei.
Das grösste zusammenhängende Tieflandregenwaldgebiet ist der Amazonas-Regenwald in Südamerika. Der ecuadorianische Anteil am gesamten Amazonasgebiet ist mit 1,6% relativ klein, doch befindet er sich mit seiner Lage am Fusse der Anden und in mitten des sogenannten Gebiets der “Weisswasserflüsse“ (Schwebstoffe tragende Gewässer des Andenvorlands) in einer besonderen geografischen Lage, die dazu beigetragen hat, die Wälder Ecuadors einzigartig werden zu lassen, sowohl was ihre Vielfalt an Pflanzen und Tieren, als auch was die |
|
 |
|
|
Komplexität des Ökosystems betrifft. |
|
Brettwurzelbereich eines Emergenten (Baumriese) |
|
|
|
|
|
|
|
Teile der ecuadorianischen Tieflandregenwälder entlang der grossen Weisswasser-
flüsse werden jährlich während der Regenzeit überschwemmt. Es bilden sich die sogenanten Varzeas, Überschwemmungsgebiete der Weisswasserflüsse, in denen die unteren Bereiche der Wälder zeitweise unter Wasser stehen. Sowohl diese temporären Feuchtgebiete, als auch die ganzjährig Bestand habenden tropischen Lagunen zeichnen sich durch eine einzigartige „Sumpfvegetation“ aus. Wasserpflanzen wie der Wassersalat (Pistia stratiotes, Araceae) oder die Wasserhyazinthen der Gattung Eichhornia (Pontederiaceae) sind charakteristische Vertreter. Markante Vertreter der Tierwelt sind die hauptsächlich im Wasser lebende Schlange Anaconda (Eunectes murinus), der Schwarze Kaiman (Caiman niger), der prächtige Hoatzin-Vogel (Opisthocomus hoazin) oder die in Schwärmen lebenden
Pirañas (Serrasalmus sp.) |
|
|
|
|
|
 |
|
|
Teil einer "Varzea" im ecuadorianischen Oriente - hier tummeln sich Kaimane, Anacondas & Piranhas |
|
|
|
|
|
Gen Westen schmiegen sich die Tieflandregenwälder an die Berghänge der Anden. Schon ab ca. 600 m Meereshöhe beginnt sich der Wald zunächst unmerklich zu verändern und die Vegetationsform Bergregenwald setzt sich durch. Den Bergregenwald zeichnet ein insgesamt noch feuchteres und leicht kühleres Klima aus, als das im Tieflandregenwald vorherrschende. Schon geringe Höhenunterschiede können starke Veränderungen in Niederschlagsmengen, Bewölkung oder Temperatur hervorrufen, so dass sich viele Pflanzen entwickeln konnten, die nur in einer bestimmten schmalen Höhenzone ihre optimale Verbreitung finden. Baumfarne der Gattungen Alsophila und Cyathea sind besonders charakteristische Vertreter des Bergregenwaldes. Häufig in den Bergen hängender Nebel fördert das Wachstum Epiphyten. Die Bäume des Bergregenwaldes sind |
|
 |
|
|
meist mit dicken Schichten von Moosen, Orchideen und |
|
Baumfarn |
|
|
 |
|
Bromelien bewachsen. Epiphyten sind Pflanzen, die nicht im Boden wurzeln, sondern eine Lebensweise entwickelt haben, die ihnen ein Leben unabhängig von Bodenfeuchtigkeit und
-nährstoffen ermöglicht. Die Basen der dünnen, langen aber dicken Blätter der Bromelien z.B. sind miteinander zu tankartigen Strukturen verwachsen, so dass sie, je nach Art, neben totem, organischen Material als Nährstoffquelle, bis zu fünf Liter Wasser zwischen den Blättern auffangen können. Unter anderem ist es diese wasserspeichernde |
|
|
steile Hänge der Bergregenwälder durchzogen von Flusstälern |
|
Lebensweise, die den |
|
|
Bromelien das epiphytische Wachstum ermöglicht. Die Bergregenwälder ziehen sich hinauf bis in Höhen von ca. 1500 m, bevor sie in einem langsamen Übergang von einer weiteren Vegetationsform, der des Bergnebelwaldes abgelöst werden. |
|
|
Das Klima der Bergnebelwälder ist noch kühler und sehr häufig hängen dicke Wolkendek-
ken in den Wäldern. Die Bäume werden kleiner und können sogar krüppelartigen Wuchs annehmen. Desweiteren zeichnet sich diese Zone durch eine ausserordentlich dichte Entwicklung von Moosen und Farnen aus, welche beide von der hohen, nebelbedingten Luft-
feuchtigkeit profitie-
ren können. Epiphyti-
sche Bartflechten |
|
 |
|
 |
|
|
(Tillandsia sp.) hängen teilweise |
|
typische Nebelwaldvegetation |
|
dicht mit Epiphyten bewachsener abgestorbener Ast |
|
 |
|
Moose, Flechten, Farne sind typische Nebelwald-
epiphyten |
|
|
meterlang von den Ästen herab, und fangen vom Wind getragene, feinste Wassertröpfchen mit ihren speziell konstruierten Blättern aus der Luft ab. |
|
|
|
|
|
Insgesamt zeichnet die tropischen Regen-
wälder ein hohe Komplexität der Lebens-
gemeinschaften aus. Höchstwahrscheinlich konnten verschiedene Aspekte, wie Nährstoff-
mangel, konstante Temperaturen, und eine kontinuierlich hohe Sonneneinstrahlung dazu beitragen, dass sich in den Tropen solch ein hohes Maß an Biodiversität entwickeln konnte. Die Nährstoffmangelsituation bedingt, dass sich auf Grund der hohen Konkurrenz viele Anpassungen fanden, die sich heute in der hohen Diversität |
|
|
|
ausdrücken. Desweiteren befinden sich die heutigen Hotspots der Artenvielfalt auf kleinen Rückzugsgebieten der Regenwälder während der letzten Eiszeiten. Das mehrmalige Verschwinden der grossen Wälder bis auf kleine Gebiete führte dazu, dass sich die Vielfalt der Arten an vielen Orten unabhängig voneinander enorm vergrössern konnte.
(mehr zu diesem Thema im "Lehrpfadsführer Regenwaldökologie"_1,5 MB)
Die hohe Artenvielfalt bedeutet eine starke Spezialisierung einzelner Arten auf ihre jeweilige Umgebung. Diese enorme Spezialisierung und Vielfalt birgt einerseits ein riesiges Potential des Ökosystems, auf Umweltveränderugen schnell reagieren zu können. Auf der anderen Seite bedingt sie aber auch die extreme Sensibilität des Ökosystems Tropischer Regenwald. Denn nur durch die Diversität, nur durch die natürliche Vielfalt sind die Lücken des komplexen Systems geschlossen. Nur als funktionierendes Netzwerk können die nur in geringen Mengen vorkommenden Nährstoffe optimal ausgenutzt werden und im Kreislauf verbleiben.
Eine von aussen, etwa durch den Menschen verursachte Verringerung der Artenvielfalt zieht weitere, innere Biodiversitätsverluste nach sich, die allesamt zu einer Schwächung des Systems und zur Dominanz einiger, weniger Arten führen. Verschwundene Arten sind ein unwiederbringlicher Verlust und mit dem Verlust der Biodiversität geht auch das enorme Potential der Regenwälder verloren, medizinische wirksame, pflanzliche Substanzen für die Apotheken der Menschheit hervorzubringen.
Es ist also von enormer Bedeutung das die tropische Regenwälder und ihre ungeheure Artenvielfalt geschützt und bewahrt werden.
|
|
|
|
|
|
|