Aktuelle Projekte und interessante Links

Nachhaltige Forstwirtschaft der forstlichen Ressourcen im Ecuadorianischen Amazonas-regenwald

1. Problemdarstellung
In der von der Regierung von Ecuador unterschriebenen UN-Konvention von Rio de Janeiro
von 1992, wurden die Ziele für den Schutz der Biodiversität, die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und die gerechte und gleichberechtigte Verteilung der Gewinne aus den genetischen Ressourcen der Natur klar festgelegt. Mit der gemeinsam ausgehandelten Carta zum Schutz der Regenwälder in der Umweltkonferenz von Rio hat sich Ecuador ebenfalls verpflichtet im Umgang mit seinen natürlichen Ressourcen Verantwortlichkeit zu zeigen, unter anderem auch um den negativen Auswirkungen auf die Umwelt der Nachbarstaaten vorzubeugen.

Leider muss man angesichts der oben genannten Abholzungsraten und der fortschreitenden Kontaminierung der Gewässer durch die im Amazonastiefland operierende Erdölindustrie feststellen, dass in dieser Hinsicht bisher nicht viel passiert ist.
Das ecuadorianische Umweltministerium leistet durchaus sinnvolle Beiträge durch neue Gesetzesvorschläge und Entwürfe, die unter anderem auch mit deutscher (staatlicher) Hilfe unterstützt worden sind. Das Ministerium (www.ambiente.gov.ec) ist aber aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen weder in der Lage diese neuen Gesetze an die lokale Bevölkerung zu vermitteln geschweige denn sie mit Hilfe einer Art Umweltpolizei auszuführen. Das Ministerium ist auf die Hilfe von internationalen staatlichen Institutionen und nichtstaatlichen Organisationen angewiesen.

Die intensive Nutzung der Naturwälder von Ecuador hat dazu geführt das große Teile der mit Regenwald bedeckten Gebiete bereits zerstört ist. Die Konsequenzen dieser Abholzung von mehr als 11 000 ha Primärwald pro Jahr (B.Torres, Umweltminister der Provinzen Napo/Pastaza, 2006) sind allein in den beiden Provinzen Napo und Pastaza inzwischen von überregionaler, wenn nicht internationaler Bedeutung.

Die tropische Regenwaldregion des Ecuadorianischen Amazonas wird derzeit mit vielen Problemen konfrontiert:

Regenwaldflächen werden Jahr für Jahr dezimiert vor allem durch Holzeinschlag, intensive
Weidewirtschaft und Plantagenbau infolge von Erschließungen durch ehrgeizige, meist politisch
motivierte Strassenbauprojekte
• Artensterben und Biodiversitätsverlust
• Rückgang der mittleren Jahresniederschlägen ist zu verzeichnen
• Senkung der mittleren Wasserstände der Flüsse, was zu Problemen mit der
Wasserversorgung der anwohnenden Bevölkerung führt
• Erosion, Degradierung der Böden
• Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzflächen
• Verelendung der ländlichen Bevölkerung, unkontrolliertes Wachstum der urbanen Zentren im
Amazonastiefland durch Landflucht.

Der Holzeinschlag in einen Naturwald (bosque nativo) ist per ecuadorianischer Gesetzgebung normalerweise stark reglementiert. Für den ecuadorianischen Regenwaldbesitzer besteht die Möglichkeit den Wald nach den nachhaltigen Bewirtschaftungspläne des Umweltministeriums zu nutzen. Diese variieren jedoch teilweise extrem je nach Größe des Besitzes, Lage und Nutzungskonzept. (Hier ist das PAFsi gemeint, dazu später im Text). Wenn einmal dieser Plan im Umweltministerium angemeldet wurde, erhält der Besitzer eine Lizens, um eine bestimmte Anzahl Kubikmeter Holz zu mobilisieren.

Der Prozess, diese Planung eigenhändig zu entwickeln verlangt ein gewisses technisches Grundwissen (Kenntnisse von Ökologie, Botanik, Geografie, Textverarbeitung ect.) und ist daher für die zum größten teil analphabetische Bevölkerung des Regenwaldes unmöglich zu realisieren. Der Zwischenhändler (intermediario), der das geschlagene Holz in illegaler Weise am Straßenrand billig abkauft, nimmt dem Waldbauer diese bürokratische Hiderniss ab und „besorgt“ sich eine Lizens und verkauft anschließend das Holz für ein vielfaches des Einkaufspreises an den Endverbraucher in den Städten, oder als Edelholz auf dem internationalen Markt.
Die ökologischen und sozialen Auswirkungen dieses Geschehens verpflichten uns geradezu intensiv nach Lösungen zu suchen für die Regenwaldregionen in denen Menschen bereits leben. Da derzeitig die ökonomisch wichtigste Einnahmequelle, die der Regenwald liefert, der Rohstoff Holz ist, kann die richtige Antwort nur ein nachhaltiges Management der Holzressourcen des Regenwaldes sein!

2. Ziele des Projekts
Ein allgemeines Ziel der Fundación Curiquingue ist es, bei den Waldbauern des Kanton Tenas für eine nachhaltige
Nutzung der natürlichen Holzreserven zu werben. Das Resultat wird sein, dass der Druck auf die noch bestehenden wenig intervenierten Primärwälder geringer wird und man mehr Zeit gewinnt, diese Naturwaldreste langfristig zu schützen. Insgesamt soll eine rentable ökologische und ökonomische Entwicklung dieser Region gefördert werden.

Einzelne Ziele:
Verbesserung der Lebensumstände der einzelnen Familien in den Dorfgemeinschaften mit Hilfe der verbesserten Einnahmen durch die nachhaltigen Holzwirtschaft
Mitwirkungen der Dorfgemeinschaft bei der Kommerzialisierung der Produkte, Förderung der dörflichen Organisationsstruktur, Bildung von landwirtschaftlichen Kleinunternehmen (Micro-Empresas) mit Aussicht auf evtuelle Kleinkredite für den Ausbau weiterer wirtschaftlicher Tätigekeiten der Region
Planung und Ausführung von workshops, welche die Vorteile einer nachhaltigen Forstwirtschaft innerhalb der Dorfgemeinschaften vermitteln
Veranstaltungen in den Dorfgemeinschaften, damit die Waldbauern Kenntnisse der Forstgesetze des Landes erlangen, die Unterschiede von legalen und illegalen Holzeinschlag erkennen, sowie sich über die Sanktionen und Strafen informieren. Ziel ist es, ihnen die positiven Folgen einer nachhaltigen Forstwirtschaft in diesen Veranstaltungen zu vermitteln
Ständige Verbreitung der aktuellen Forstgesetze in der Bevölkerung, um Probleme und Mißverständnisse zu vermeiden
Unterstützung in der Frage des Besitzes, Besitztitel und Grenzverläufe innerhalb und außerhalb der Dorgemeinschaften klären; Legalisierung von Besitzstrukturen
Wiederaufforstungen von degradierten Flächen innerhalb der beteiligten Gemeinden
Erlangen von Kenntnissen über den Aufbau und die Strukturierung des Regenwaldes des Kanton Napos, die im Zuge der Durchführung des Projektes von grossflächigen Baumbestandsanalysen erhoben werden

3. Projektdurchführung
Zur vernünftigen und funktionierenden Realisierung des Projekts ist das Mitwirken verschiedener Organisationen
und Institutionen nötig:

Beteiligte Institutionen, Organisationen, Akteure des Projektes:
Ministerio del Ambiente:
Organisation von workshops in den zentralen Orten der einzelnen Verwaltungsbezirke, Diffundierung der Gesetzeslage, Verteilung der Nutzungsprogramme bzw. von Holzeinschlagslizensen, insbesondere von PAPsi für die Kleinbauern
Proyecto “Gran Sumaco”:
Leitung des Projektes - Nachhaltige Bewirtschaftung der forstlichen Ressourcen der Naturwälder des Kanton Tenas
Organisation der Arbeit im gesamten Projektgebiet, Koordinierung der Organisationen (Fundación Curiquingue) in den 7 Verwaltungsbezirken des Kanton Tenas.
ECORAE
Verantwortlich für die Lieferung von Pflanzenmaterialien, Baumsetzlingen und deren Transport für die Wiederaufforstungsprogramme in den einzelnen Dorfgemeinschaften
Fundación Ecológica Curiquingue
Subkontratiert für die Ausführung des Projektes in den Parroquias Talag und Pano. Geleitet von den Fundacións-Mitgliedern Jens Toeniges (Geograf), Bolier Torres (Forstwissenschaftler und Direktor des Umwelministerium der Provinz Napo, Provinz Pastaza) sowie Ulrich Zebisch (Forstingenieur) unter Mithilfe der Praktikanten der Fundación Curiquingue
Weitere Organisationen:
Mögliche Mithilfe in den anderen Verwaltungsbezirken durch dort ansässige und aktive Institutionen, NGOs....etc.
PAFsi (Plan de Aprovechamiento Forestal Simplificado)
Bewirtschaftungspläne des Umweltministeriums


Dieser nachhaltige Nutzungsplan bezieht sich hauptsächlich auf Kleinbauern die im Besitz von einer Fläche von ≤ 50ha sind.
Ziel dieses Nutzungsplanes ist es, einen selektiven Holzeinschlag zu erlauben ohne die regenierbare Kraft des Waldes zu stören, oder den Naturhaushalt dieser Fläche im weiteren zu beeinflussen. Im Detail werden im Zuge eines Bauminventars schlagreife Bäume ausgesucht
(≥ 50cm Baumdurchmesser; das hängt von der Art ab), die in ihrem Umkreis von 25 m mindestens einen Baum der gleichen Art von demselben Durchmesser stehen haben, nebenbei wird bei der Baumauswahl auf die Häufigkeit der Arten (Abundanz) geachtet, sowie auf die Lage im Gelände - in der Nähe von Gewässern oder in steilen Lagen dürfen Bäume grundsätzlich nicht geschlagen werden.
Dieser Nutzungsplan muss von einem Forstregenten (staatlich anerkannter Forstinegenieur) gegengezeichnet werden. Dann wird staatlicher seits eine geringfuegige Steuer erhoben, worauf der Besitzer das Holz mit der erlangten Lizens mobilisieren und vermarkten kann. Aus Erfahrung kann man mit diesem System 4 bis maximal 6 Bäume aus einem Hektar Naturwald entnehmen.

Ein Problem bei der Durchführung von PAFsi wird sein, dass ein Grossteil der Bauern keine legalen Besitztitel hat, d.h. die Legalisierung des Bodens muss ein Bestandteil des Projektes sein, denn mit einem einfachen „titulo de posesión“ (ein Dokument, dass aussagt, dass dieses Land von dem Bewohner längere Zeit besetzt ist) kann man ein PAFsi beantragen. Die Beantragung dieses Bodentitels kostet je nachdem zwischen 25$ und 50$, d.h. die Fundacion muss in seiner finanziellen Projektionierung diese Kosten miteinberechnen.
Beschreibung der Tätigkeit der Fundación Curiquingue und ihren Praktikanten

Das Projektgebiet der Fundación Curiquingue wird die Parroquia Pano und die Parroquia Talag sein, eine Region mit relativ vielen tropischen Regenwaldflächen, die zum Teil schon stark zergliedert sind. Die Bevölkerung ist zu 90% indigen, sie gehören zu der Nation Kichwas del Oriente und bewirtschaften zum Teil noch sehr traditionell ihre Fincas. Gerdade hier ist der Baum im Wald die Sparkasse des armen Mannes und leider wird diese Sparkasse immer öfter geplündert.
Innerhalb dieser Region befinden sich 32 Dorfgemeinschaften mit 1020 Fincas (Farmen) unterschiedlicher Größe. Da die Fundación schon in ähnlicher Arbeit in einem Pilotprojekt in der Comunidad Serena seit 1½ Jahren arbeitet, verfügt sie über viele Erfahrungen und guten Kontakten zu der lokalen Bevölkerung.

Sozio-ambientale Datenerhebungen
Erstellen eines Fragekataloges, der sich auf die wirtschaftliche und soziale Situation der einzelnen Familien, d.h. Präsentationen in der Fundación in Versammlungen, Haus zu Haus-Befragungen wenn bewilligt. (zum Teil schon vorhanden)
Kartensammlungen
Erstellen von Kartenmaterialien, mögliche Quellen sind Katasteramt, IGM (Instituto Geografico Militar), vorhandenes Kartenmaterial vom Umweltministerium, Proyecto “Gran Sumaco“. Entwickeln von Kartenmaterialen; Vegetationsverteilungen, hydrologische Karten, Bodennutzungskarten, Entwicklung von Strategiekarten für die Durchführung des Projektes, für die nachhaltige Nutzung des Waldes ect.
Inventarisierung des Nutzwaldes
Ausbilden von technischen Assistenten (Ortskundige) innerhalb der Dorfgemeinschfaten, Aufbau eines provisorischem Camp, Küche, Schlaf- und Arbeitsplatz innerhalb der Dorfgemeinschaften. Aufnahme der nutzbaren Bäume nach den Regeln von PAFsi. Grafische und tabellarische Ausarbeitung der Daten am Computer.
Workshops
In den workshops sollen den Waldbesitzern in möglichst vereinfachter Darstellung die Vorzüge der nachhaltigen Forstwirtschaft vermittelt werden. Diese Informationsveranstaltungen sollen parallel zu den Arbeiten laufen.
Kommerzialisierung des Holzes
Die Vermarktung des Holzes ist für die Bauern mit Sicherheit die wichtigste Frage und verlangt deswegen eine besondere Beachtung. Durch die Direktvermarktung kann der Bauer das 6-7-fache des sonstüblichen illegalen Verkaufspreises erlangen. Die Fundación Curiquingue hat diesbezüglich schon eine Untersuchung des nationalen Holzmarktes im Zuge einer Diplomarbeit 2005/2006 durchgeführt. Mit dem Pilotprojekt in Serena erhoffen wir einen Schneeballeffekt. Trotzdem müssen wir innerhalb des Projektes die Bauern unterstützen wie und wo sie ihre Produkte absetzen können. Durch die Inventarisierung (die Art, der Durchmesser und die Höhe des Stammholzes, sowie die Lage werden bei jedem Baum registriert) können wir genau sagen wieviel Kubikmeter einer Holzart vorhanden sind, dementsprechend kann man die Nachfrage bestimmter Holzarten erfüllen oder sogar steuern. Ziel ist es in den Gemeinden ein Holzlager zu errichten, und die Bauern zu organisieren.
Durch die erstellten Karten wollen wir auch die Mobilisierung des Holzes effizienter gestalten, d.h. Holzziehwege zusammenführen z.B.

Letzendlich sollen die Bauern als eigene Holzfirma (Genossenschaft) auftreten und später selber die Vermarktung leiten.
Wiederaufforstung von degradierten ehemaligen Nutzflächen
Während in den Dorfgemeinschaften gearbeitet wird, die mit diesem Projekt kooperieren, sollen zusätzlich semistationäre Baumschulen angelegt und degradierte Flächen wiederaufgeforstet, und diese Aufforstungen (Mischpflanzungen je nach Region) 1 Jahr gepflegt werden. Paralell werden wir in den Dorfgemeinschaften Kurse geben, um den Mitgliedern der Dorfgemeinschaften Informationen über Baumschulen, Pflanzungen ect. zu vermitteln. Auch hier verfügen wir schon über jahrelanger Erfahrung.

4. Laufzeit des Projekts
Die Laufzeit des Projektes ist für 2 Jahre angesetzt 2007-2009, so dass viele der geplanten Aktivitäten parallel
laufen müssen um sie überhaupt innerhalb des genannten Zeitraums zu verwirklichen zu können. Wir hoffen, dass wir in der Lage sind verschiedene Teams aufzubauen, die die verschiedenen Abteilungen dieses Projektes (Datenerhebungen, workshops, Inventarisierung, Kommerzialisierung, Wiederaufforstung) besetzen. Ende 2006 werden wir die einzelnen Akteure des geplanten Projektes aufeinander abstimmen und die Planung gestalten.

5. Mithilfe von Praktikanten und Voluntären innerhalb des Projektes
Die Fundación Curiquingue arbeitet im Oriente Ecuadors schon seit 6 Jahren mit Studenten, Praktikanten und
Freiwilligen aus aller Welt und verfügt damit über genügend Erfahrung im Umgang mit den „Neuankömmlingen“, die bereit sind sich aktiv für den Regenwald einzusetzen. Im allgemeinen braucht ein Mensch aus der europäischen Welt eine Eingewöhnungsphase. Das heisse schwüle Klima, die ungewohnte Umwelt, die fremde lateinameriakanische Kultur kann einen überfordern.

Die meist aus Deutschland oder der Schweiz stammenden Studenten werden von uns immer in die Ökologie des Regenwaldes eingeführt sowie in unsere laufenden Projekte. Danach werden sie in den laufenden Projekten je nach Absprache arbeiten. Manche verbringen ihre Praxissemester bei uns, andere führen wissenschaftliche Untersuchungen durch. Weitere Infos zum Praktikum findet man hier.


6. Allgemeine Daten zum Projekt

Von dem nachhaltigen und gemeinschaftlichen Projekt können sowohl die indigene Bevölkerungsgruppe wie auch
die weißen Siedler profititeren. Im Vordergrund steht der Schutz der Natur, der natürlichen Ressourcen und des Waldes.
Region:
Provinz:
Kanton:
Parroquias/Verwaltungsbezirk:
Ausdehnung des Kantons:
Bevölkerung:
Ethnien:
Verteilung der Bevölkerung:
Höhe über Meeresspiegel:
Temperatur:
Niederschläge:
Natürliche Vegetation:
Amazonas - Oriente
Napo
Tena
Tena, Pano, Talag, Napo Misahullí, Ahuano, Chontapunta
5421,80 km
2
50.000
Quichuas del Oriente
14.800 urban (Zuwachsrate 7% pro Jahr); 35.200 ländlich

300m bis 4000m Parque Llanganates, östliche Andenkordilliere
mittlere Temperatur 25°C
3500 - 4500 mm
immerfeuchter Tieflandregenwald

submontaner Nebelwald
Bergnebelwald

Markus Geupel © 2007